Adventskalender

Türchen 16: Anne-Friederike Heinrich

Herzlich Willkommen zu Türchen 16 des Indie-Bücher Adventskalenders.
Jeden Tag bekommt ihr einen weihnachtlichen oder winterlichen Textauszug aus einem Indie-Buch. Darüber hinaus könnt ihr jeden Tag etwas gewinnen.

Der gummibärchengroße Mückebär und die knorrige Eismöwe Edla ziehen los, um den Winter in die Arktis zurückzuholen und die Eiskristalle zu retten. Ein Kinderroman mit Fakten zum Klimawandel und Klimaschutztipps für Klein und Groß.

Mückebär Irgendwann, weit in der Mitte des nächsten Tages, erwachten die beiden Wintersucher im Schutz der Geburtshöhle. Sie hatten dicht aneinandergekuschelt geschlafen, fühlten sich erfrischt und voller Tatendrang. Mückebär zog vorsichtig seine verschlafenen Glieder auseinander. Die Schmerzen waren verschwunden.

Edla schüttelte wie jeden Morgen ihr Federkleid auf und fing an, es zu putzen. Bei diesem Ritual störte man sie besser nicht, das wusste Mückebär inzwischen. Edla konnte da sehr giftig werden. Doch was war das? Es jaulte und heulte, pfiff und zischte vor dem Eingang ihrer Höhle.
»Hoffentlich nicht wieder diese Tou-ris-ten, oder wie die heißen«, dachte Mückebär. Er wollte Edla nicht die Laune verderben, indem er ihre Putzzeremonie störte. Doch nach dem Zwischenfall auf der Müllkippe hatten sie einander versprochen, dem anderen immer zu sagen, wo sie hingingen.

»Ich schaue mal nach, woher diese Geräusche kommen«, flüsterte Mückebär der Eismöwe vorsichtig zu.
»Von draußen würde ich wohl meinen«, schnarrte Edla erwartungsgemäß zickig zurück. Sie war einfach noch nicht richtig wach und wollte jetzt wirklich nicht gestört werden!

Das Johlen und Sausen kam Mückebär seltsam vertraut vor. Doch es wollte ihm nicht einfallen, wann und wo er solche Geräusche schon einmal gehört hatte. Es musste eine weit zurückliegende Erinnerung sein, die sich da meldete – vielleicht aus der Zeit, zu der er noch eine Mama und einen Papa gehabt hatte?

Mückebär robbte auf die Höhlenöffnung zu. Er hatte sie noch nicht erreicht, da wurde er schon von einem herrlich eisigen Wind erfasst. Der wirbelte ihn einmal durch die Luft und warf ihn dann wieder zu Boden. Das durfte doch nicht wahr sein! Ein Schneesturm! Was für eine Begrüßung am Morgen! Mückebär rappelte sich wieder auf und sortierte sein durcheinandergewirbeltes Fell. Dann schlug er seine scharfen Krallen wie Steigeisen in die gefrorene Höhlenwand. (Randspalte: Eisbären haben an jeder Tatze fünf Zehen. An jeder Zehe sitzt eine starke, gebogene, nicht zurückziehbare Kralle.)

Er würde sich nicht noch einmal durch die Gegend blasen lassen! Stück für Stück hangelte er sich bis zum Eingang vor. Ohne diesen Krallentrick hätte ihn der Gegenwind mit einem Atemzug bis zu Edla zurückgeblasen.

Erwartungsvoll wie ein kleines Kind, das ein Geschenk öffnet, streckte Mückebär seine schwarz glänzende Nase nach draußen. Tatsächlich! Sein heißester Wunsch erfüllte sich: Es schneite. Und das war vorsichtig ausgedrückt. Abertausende Eiskristalle prasselten kichernd und singend auf Mückebär nieder. Sie ritten jubelnd auf Windböen, kitzelten seine Schnauze und tanzten lachend durch seinen Pelz. Es roch nach frischem Schnee und großer Zuversicht.

Der Höhleneingang war fast zugeschneit. Um sehen zu können, was sich vor der Höhle abspielte, musste Mückebär eine Schneeverwehung erklimmen. Als er dort oben stand, konnte er kaum atmen, so stark stürmte es. Und viel mehr sah Mückebär auch von hier oben nicht. Nichts außer neuen, frischen, weichen Schnee, soweit seine kleinen Augen reichten. Der winzige Eisbär drehte eine Pirouette und schlidderte die Schneeverwehung hinab ins Innere der Höhle.

»Edla, ein Schneesturm!«, wollte er schreien. Aber er verschluckte sich an seiner eigenen Freude und musste erst einmal kräftig husten.

»Hast du dich schon erkältet, kleiner Eisbär?« Edla stand bereits im Höhleneingang und lächelte Mückebär glücklich an. Nachdem sie ihre Gefiederpflege beendet hatte, war die Eismöwe ihrem Freund gefolgt. Schnell hatte sie das wohlbekannte Sausen wiedererkannt, das vom Höhleneingang zu ihr drang: Luft, die Eiskristalle überall hintanzen lässt. Sie hatte es kaum glauben können. Nun sah Edla, dass ihre Sinne sie nicht getäuscht hatten. Ihr Herz machte einen Luftsprung, beinahe wäre sie davon abgehoben. Einen Wimpernschlag lang legte Edla ihren rechten Flügel um Mückebär und drückte ihn an ihre Brust. Dann schob sie ihn wieder von sich, als hätte sie sich am weichen Eisbärenfell verbrannt. Nun hüstelte auch die Eismöwe.

»Offenbar sind wir dem entsetzlich eisigen Eisschloss schon ganz nah«, sagte sie, ohne Mückebär anzuschauen. »Denn wenn es hier schneit, müssen auch die geraubten Eiskristalle in der Nähe sein.« […]

Es dauerte lange, bis der Schneesturm sich legte. Früher hatten Mückebär und Edla bei solchem Wetter erst eine Menge gegessen und dann ein paar Runden geschlafen. Jetzt aber war nichts zu Essen da. Doch vor allem hatten die beiden so lange keinen Schnee mehr gesehen, der gerade fällt, dass sie keine Flocke davon verpassen wollten.

Die beiden Freunde tollten im frischen Schneepuder herum. […]

Nach dem wilden Spiel im Schnee machten die beiden Freunde im Eingang ihrer Höhle eine Pause. Sie saßen dicht nebeneinander und schauten der Tanzaufführung der kichernden und wirbelnden Schneeflocken zu. Die »Herrscherin ewige Eisblume« hatten sie für diesen Moment völlig vergessen.

»Wie schade, dass die Gemeinschaft der Polartiere diesen wunderbaren Sturm nicht miterleben kann!«, dachte Mückebär, kurz bevor ihn an diesem Abend der Schlaf übermannte. Mit frohem Herzen, aber voller Sehnsucht träumte er in dieser Nacht von seinen Freunden, die daheim zurückgeblieben waren und auf den Winter hofften.
➥ Aus Mückebär und die Suche nach dem geraubten Winter von Anne-Friederike Heinrich

Gewinn

Ein signiertes Exemplar von Mückebär und die Suche nach dem geraubten Winter – ein Kinderroman mit Fakten zum Klimawandel.

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Cathy
25 Kommentare
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Moira
1 Jahr zuvor

Ein sehr schöne Weihnachtsgeschichte

Allie
Allie
1 Jahr zuvor

Ein so wichtiges Thema, das du wunderbar verpackst =)
Vor allem Edla in ihrer herrlichen Art muss man einfach gern haben – ich bedanke mich schon jetzt für die Chance und hoffe, die beiden auf ihrer Reise ein bisschen begleiten zu dürfen!

Friederike Heinrich
Friederike Heinrich
1 Jahr zuvor
Reply to  Allie

Danke, ich drücke Dir die Daumen. 🤩

Steffi
Steffi
1 Jahr zuvor

Was für eine tolle Idee, ein doch so ernstes Thema in eine wunderbare Geschichte zu verpacken! Ich bin schon neugierig, was die beiden wohl für Abenteuer erleben 🙂

Nicole Kirchenwitz
Nicole Kirchenwitz
1 Jahr zuvor

Das hört sich einfach nur toll an für meine 2 Mädels. Das würde ich sehr gerne meinen beiden vorlesen <3

LG

Friederike Heinrich
Friederike Heinrich
1 Jahr zuvor

Toll, das würde mich sehr freuen. Wie alt sind Deine Töchter?

Justin
Justin
1 Jahr zuvor

Hört sich sehr schön an!

Petra B.
Petra B.
1 Jahr zuvor

Was für ein schönes Buch, wunderbar zum Vorlesen – ich bin absolut begeistert. Dieses Buch lese ich auch als seit zig Jahren erwachsenes „Kind“ gerne.

Weihnachtsnacht
Es folgt die Zeit,
wie jedes Jahr,
einem bestimmten Plan.
Es naht die Nacht,
so macht euch bereit,
in der einst Wunder geschahn.
Und jedes Jahr wieder,
in der Heiligen Nacht,
erklingen die Lieder,
wenn das Licht neu erwacht.
(Cornelia Sander)

Denis Eschrich
Denis Eschrich
1 Jahr zuvor

Sehr schöner Gewinn

Christian Braun
Christian Braun
1 Jahr zuvor

Ich finde es wichtig, dass auch die Kinder heute schon für dieses Thema sensibilisiert werden.

Sascha S.
Sascha S.
1 Jahr zuvor

Vielen dank für diese Chance, würde mich sehr freuen 🙂

Claudi
Claudi
1 Jahr zuvor

Die Idee des Buches finde ich erstmal wundervoll und die Umsetzung bezaubernd. Nicht nur, dass man eine tolle Geschichte hat für Kinder, so denke ich, dass sie auch was für Erwachsene ist, da sie mit der Thematik Klimaschutz ein Thema hat, was uns alle angeht. Und vielleicht kann der ein oder a ndere lehrreiche Dinge daraus ziehen. Auf alle Fälle gefällt mir die Geschichte rein vom Schreibstil sehr, und Geschichten sind ja auch immer etwas zum Weitertragen in die nächste Generation. Weswegen ich hier mein Glück probiere für diese schön winterliche Geschichte, die auch noch so gut zur Jahreszeit passt.

Tanjas Buchgarten
Tanjas Buchgarten
1 Jahr zuvor

Schöner Gewinn.

Ich würde gerne für meinen Neffen in den Lostopf hüfen

Martina
Martina
1 Jahr zuvor

Das hört sich sehr gut an; ein Buch das hoffentlich etwas bewirken wird in den Köpfen kleiner und großer Leute.

Kami
Kami
1 Jahr zuvor

ich versuche gerne mein glück 🙂

Sibylle
Sibylle
1 Jahr zuvor

Eine wirklich sehr schöne Weihnachtsgeschichte!

Elke B
Elke B
1 Jahr zuvor

Sehr schön

Lars
Lars
1 Jahr zuvor

Hört sich super an.Würde mich sehr über das Buch freuen.

LG

Anja Thürling
Anja Thürling
1 Jahr zuvor

Super, Aufklärung muss früh anfangen!

Christoph Wilhelm
1 Jahr zuvor

Toll geschrieben und ein so wichtiges Thema kvndgerecht aufbereitet. Ich lese es gerne vollständig und empfehle es weiter.

Sabrina
Sabrina
1 Jahr zuvor

Das ist bestimmt eine ganz tolle Geschichte.

Christof
Christof
1 Jahr zuvor

brauche dringend neuen Lesestoff!

Yvonne Kretzer
Yvonne Kretzer
1 Jahr zuvor

Würde mich sehr drüber freuen

Hilly
Hilly
1 Jahr zuvor

Eine richtig schöne Freundschaftsgeschichte, und gemeinsam sind wir stark …… Da springe ich gerne in den Lostopf 😊

Philipp
Philipp
1 Jahr zuvor

Liest sich super schön! Meine Kinder würden sich sicherlich über das Buch freuen.

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