Adventskalender

Türchen 17: Maria Winter

Herzlich Willkommen zu Türchen 17 des Indie-Bücher Adventskalenders.
Jeden Tag bekommt ihr einen weihnachtlichen oder winterlichen Textauszug aus einem Indie-Buch. Darüber hinaus könnt ihr jeden Tag etwas gewinnen.

Der Auszug von Maria Winter befördert uns direkt nach Nordengland in einen eisigen Schneesturm. Brrr. Vielleicht solltet ihr euch ein heißes Getränk bereitstellen, bevor ihr weiterlest.

Under the Moon 1. Kapitel – Nordengland, 1874

Deans Worte hallten in meinen Ohren nach, während ich mir auf Dragons Rücken einen Weg durch den Schneesturm bahnte. Der Hengst stieß ein extrem langgezogenes Schnauben aus und ich wuschelte durch seine wilde schwarze Mähne, um ihn wenigstens eine kleine Weile bei Laune zu halten.
»Es ist verdammt kalt, ich weiß«, sagte ich mitfühlend, obwohl mir selbst die Kälte wenig anhaben konnte. Die flaumartigen Schneeflocken, die im Sekundentakt auf meine Wangen wirbelten, hinterließen ein angenehm kühles Gefühl auf meiner Haut.
Die gesenkte Kälteempfindlichkeit als Werwolf, egal ob in animalischer Gestalt oder in menschlicher, stellte sich immer wieder als vorteilhaft heraus. Nur selten kam es vor, dass eisige Temperaturen mir etwas anhaben konnten.
Dafür, dass das britische Festland selbst zu dieser Jahreszeit für seine milden Temperaturen bekannt war, hatte es mein erster Winter auf der Insel allerdings ganz schön in sich.
Eisiger Wind blies uns entgegen. Auf den freien Flächen zwischen den Hügeln gab es so gut wie keinen Schutz vor dem winterlichen Orkan, geschweige denn gegen den starken Schneefall, der wasserfallartig vom grauweißen Himmel herabstürzte.
Mittlerweile war es elf Jahre her, dass Dean jene Worte zu mir gesagt hatte, doch sie schwebten nahezu jeden Tag durch meine Gedanken und mahnten mich zur Vorsicht. Es war unsere letzte Begegnung gewesen und sie hatte sich für immer in meine Erinnerung eingebrannt.
Einer der Gründe, weshalb ich auch heute abseits der gängigen Wege unterwegs war.
Du musst dich von ihnen fernhalten, hatte er mich damals gewarnt. Menschen und Werwölfe können schrecklich sein.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Vorstellung davon, wie schrecklich sie sein konnten. Nach all dem, was ich im vergangenen Jahrzehnt als Werwolf erlebt und gesehen hatte, schien das Wort schrecklich nicht auch nur im Entferntesten auf diese Kreaturen zuzutreffen.
Er hätte sagen sollen: Menschen und Werwölfe konnten blutrünstig, trügerisch, verräterisch und mordlüstern sein. Sie fanden Gefallen daran, andere zu Tode zu foltern, sie zu schänden und zu missbrauchen. Sich gegenseitig auf unerträgliche Weise zu quälen.
Leider hatte ich derartige Wesenszüge viel zu oft und viel zu deutlich an ihnen feststellen müssen.
Ich musste daran denken, wie ich in meinem ersten Jahr als Werwolf von einigen Dorfbewohnern nahe des Rheins fälschlicherweise für eine Hexe gehalten worden war und mir daraufhin der Prozess gemacht werden sollte. Nur mit Glück hatte ich mir den Weg kurz vor dem Scheiterhaufen freikämpfen können. Seitdem war ich wachsamer geworden, auch in Bezug auf menschliche Siedlungen.
Von meinen Erfahrungen mit anderen Werwölfen ganz zu schweigen …
Ich musste zugeben, die Sache mit dem Fernhalten war lange nicht meine Stärke gewesen, obwohl ich mich stets bemüht hatte, einen weiten Bogen um jegliche Lebewesen zu machen.
Abseits der gängigen Wege, mit Schlafplätzen im Wald und ohne Bekanntschaften, ließ es sich am einfachsten leben. Nicht, dass Letzteres für mich überhaupt eine Rolle spielte.
Plötzlich blieb Dragon stehen. Seine Ohren bewegten sich nervös in alle Richtungen.
Ich seufzte, nahm die Kapuze meines schwarzen, eingeschneiten Umhanges ab und schloss die Augen, um mich besser auf die Geräusche meiner Umgebung zu fokussieren. Dabei tätschelte ich beruhigend Dragons Hals. »Schon gut. Ist schon gut.« Unter meinen kalten Händen machte sich eine angenehme Wärme breit. »Ich höre sie auch«, sagte ich leise und konzentrierte mich auf die lauter werdenden, merkwürdigen Geräusche. Der am Boden liegende Schnee gab knautschende Laute von sich, ein animalisches Schnaufen ertönte, gefolgt von einem Räuspern.
Meine Augenlieder flogen auf. »Sie sind hinter uns.«
Fünfzehn, vielleicht zwanzig … Menschen? Nicht in diesem Gebiet. Es ist so gut wie menschenleer. Möglicherweise befinden sie sich auf der Durchreise? Nein, nicht heute. Kein Mensch würde sich bei diesem Wetter vor die Tür wagen.
Es gab nur eine logische Erklärung. Und diese war die denkbar schlechteste von allen.
Nobils. Auf der Reise zu einer anderen Burg? Oder auf der Rückreise von einer … erfolgreichen Jagd?
Bei dem Gedanken breitete sich ein säuerlicher Geschmack in meinem Mund aus. Wie ich ihre kranke Vorstellung einer Jagd doch verabscheute.
Dabei waren keine Tiere das Ziel. Sondern Werwölfe. Um genauer zu sein Luminos – Werwölfe, deren Fellfarbe die gleiche war wie meine.
Eine weitere Windböe erfasste mich und trieb meinen viel zu kräftigen Wolfsgeruch direkt in ihre Richtung.
Äußerst ungünstig.
Schnell setzte ich die Kapuze wieder auf, obwohl mir bereits klar war, dass es nichts mehr nützen würde. Zu spät.
Vielleicht würden sie trotzdem keine Notiz von mir nehmen. Oder sie würden mich ignorieren und weiterziehen?
Das glaubst du doch selbst nicht, brummte eine penetrante Stimme in meinem Schädel.
Nein, tat ich nicht. Es würde ihnen nicht sehr ähnlichsehen. Nicht, wenn ein möglicher Sklave ihren Weg kreuzte.
➥ Aus Under The Moon: Gefangen von Maria Winter

Gewinn

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16 Kommentare
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Justin
Justin
11 Monate zuvor

Da würde ich gerne mal shoppen gehen!

Steffi
Steffi
11 Monate zuvor

Der Auszug klingt sehr spannend und interessant. Ich mag die klassischen Schreckgestalten, wie Vampire oder eben Werwölfe sehr. Ich bin sehr neugierig wie diese Welt in dem Buch funktioniert. Es scheinen gute und kreative Ideen zu sein 🙂

Lichti
Lichti
11 Monate zuvor

Ich würde mich sehr über den Gutschein freuen, un endlich was von meiner Leseliste zu kaufen ❤

Claudi
Claudi
11 Monate zuvor

Seufz. Das ist ein wirklich winterlich stimmungsvoller Ausschnitt aus dem Buch, und es klingt nach einer sehr spannenden, so wie fantasiebehafteten Geschichte.

Sascha S.
Sascha S.
11 Monate zuvor

Vielen dank für diese Chance, würde mich sehr freuen 🙂

Martina
Martina
11 Monate zuvor

Immer schön, wenn Bücher im Winter spielen.

Alexandra
Alexandra
11 Monate zuvor

Würde mich über den Gutschein freuen 😊

Anja Thürling
Anja Thürling
11 Monate zuvor

Ach toll, keine Standard-Geschichte

Lars
Lars
11 Monate zuvor

Das Buch würde ich sehr gerne lesen.

LG

Yvonne Kretzer
Yvonne Kretzer
11 Monate zuvor

Wunderschönes Cover

Tanjas Buchgarten
Tanjas Buchgarten
11 Monate zuvor

:-).

Die Geschichte klingt vielversprechend und das Cover :-). Love it.

Ich versuche mein Glück

Sabrina
Sabrina
11 Monate zuvor

Das Buchcover ist wirklich toll.

Allie
Allie
11 Monate zuvor

Oh, wie spannend! Ich hoffe sehr, dass es für die Protagonistin glimpflich ausgeht 🙂
Vielen dank für diese Chance heute!!

Bianca
Bianca
11 Monate zuvor

Toller Gewinn, da finde ich bestimmt etwas Schönes 🙂

Hilly
Hilly
11 Monate zuvor

Oh, ja, in der Autorenwelt würde ich gerne mal schoppen. Ich liebäugle auch schon mit einem regionalen Krimi….. Denn Autoren unterstützen, das ist klasse.

Christian Braun
Christian Braun
11 Monate zuvor

Da hüpfe ich doch sehr gerne in den Lostopf rein.

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