Adventskalender

Türchen 21: Julia K. Hilgenberg

Herzlich Willkommen zu Türchen 21 des Indie-Bücher Adventskalenders.
Jeden Tag bekommt ihr einen weihnachtlichen oder winterlichen Textauszug aus einem Indie-Buch. Darüber hinaus könnt ihr jeden Tag etwas gewinnen.

Julia K. Hilgenberg bringt mit der Schlips und Vorurteil Reihe „Stolz und Vorurteil“ in die Kulisse der heutigen Fernsehwelt. Also schnappt euch ein Glas Punsch und genießt diesen Auszug aus Bluescreen.

Bluescreen »So, letzte Chance für das Arbeitstier vom Dienst, sich unauffällig unters Volk zu mischen!«
William Darcy blickte genervt von seinem Schreibtisch auf. Im Türrahmen stand sein bester Freund Charles Bingley und schwenkte fröhlich eine rote Zipfelmütze.
»Ich habe dir eine Tarnkappe mitgebracht. Darunter wird garantiert niemand den seriösen Moderator der Abendstunde vermuten!«
Darcy verzog das Gesicht. »Wenn ich damit aufkreuze, habe ich morgen früh bestimmt das Angebot für den örtlichen Nikolaus im Briefkasten.«
»Oder einen Beschwerdebrief vom Nikolaus persönlich, weil du ihn nicht vom Weihnachtsmann unterscheiden kannst. Der Nikolaustag ist schon etwas länger her, mein Lieber.«
Darcy seufzte. »Charles, bitte verschone mich mit dieser Weihnachtsfeier! Was soll ich denn dort?«
»Dich amüsieren. Oder wenigstens einem Freund eine Freude machen und die Zeit überbrücken, bis seine Begleitung kommt.«
»Ach, daher weht der Wind …«
»Nein, der Wind weht heute gar nicht. Unser derzeitiges Tiefdruckgebiet bringt nur leichten Regen …« Bingley grinste.
»Kein Wunder. Heißt ja nicht umsonst feuchtfröhlich.«
»Komm, Darce, gib dir einen Ruck! Sieh es dir wenigstens einmal an. Wenn es dir nicht gefällt, kannst du ja auch sofort wieder gehen und dich hinter deinem Schreibtisch verstecken.«
»Nein.«
»Du riskierst ein Gewitter, weißt du das?«
»Charles, ich sage es ja nicht gern, aber du bist wirklich lästig!«
»Hartnäckig.«
»Nervtötend!«
»Motivierend.«
»Uneinsichtig!«
»Wohlmeinend.«
Darcy nickte grimmig. »Richtig. Deshalb kann ich es dir leider auch nicht übel nehmen.«
Bingley lachte. »Also?«
»In Gottes Namen. Ein Glas Punsch. Ein einziges!«

*

Eilig, aber in bester Laune lief Lizzy durch das Studiogebäude. Sie hatte soeben die aktuelle Weihnachtswetter-Episode fertiggestellt und freute sich nun nach der wenig weihnachtlichen Vorhersage viel zu flüssiger Niederschläge auf ein Glas Punsch und ein paar Lebkuchen.
Mit einem erwartungsvollen Lächeln betrat sie das Studio. Der große Raum war nur vereinzelt beleuchtet, vor die Scheinwerfer waren Farbfolien gespannt worden und die Lametta-Girlanden an den Traversen verwandelten die Studiodecke in einen bunt glitzernden Sternenhimmel. An der Seite war ein gigantisches Buffet aufgebaut, zahlreiche Lichterketten wiesen den Weg zu Glühwein, Zimtsternen und Früchtekuchen. Auch für weihnachtliche Musik war gesorgt, und die von allerlei Dekorationen gesäumte freie Fläche sah verdächtig nach einer Einladung zum Tanz aus.
»Hallo, schöne Frau. So ganz allein?«
Lizzy fuhr herum und blickte in ein vertraut zwinkerndes Augenpaar.
»Wie es aussieht, junger Mann …«, erwiderte sie und konnte sich ein Grinsen nicht verbeißen. George Wickham trug eine Nikolausmütze und sah damit ausgesprochen albern aus.
»Als ich jung war, warst du wahrscheinlich noch nicht einmal in Planung …«
»Das müssen tolle Zeiten gewesen sein, so ganz faltenfrei und ohne graue Haare«, stichelte Lizzy.
Er beugte sich nach vorn, um sie zu küssen, aber Lizzy wich aus.
»Nix da. Das Mistel-Gehänge ist da drüben …«
Georges Blick folgte ihrem ausgestreckten Arm – dann hob er sie ohne Vorwarnung hoch und trug sie direkt unter den Mistelzweig.
Lizzy kicherte, als er sie vorsichtig wieder absetzte. Sie sah mit einem unschuldigen Augenaufschlag nach oben und hauchte: »Oh. Ist das Wacholder?«
»Und wenn es Möhrenkraut wäre, wär’s mir auch egal«, erwiderte George leise und küsste sie schnell auf den Mund.
»Also, wenn bei Möhrenkraut alle Küsse so mickrig ausfallen, kann ich darauf gern verzichten«, beschwerte sich Lizzy sofort.
»So? Vielleicht ist es ja doch Wacholder. Wie geht ein Wacholder-Kuss …?«

Die beiden waren so mit sich selbst beschäftigt, dass sie nicht mitbekamen, wie die Sende-Prominenz die Studiotür passierte. Will Darcy und Charles Bingley, die Moderatoren der Abendstunde, zogen natürlich gleich alle Aufmerksamkeit auf sich, und obwohl sich Darcy womöglich noch weniger wohlfühlte, als man es seiner gerümpften Nasenspitze ansah, so hatte es für viele Anwesende doch beinahe einen Hauch von Hollywood, als er zum Greifen nah an ihnen vorbei zog. Beziehungsweise gezogen wurde, denn in der Tat war Bingley die treibende Kraft des Gespanns.
➥ Aus Bluescreen: Schlips und Vorurteil, Band 1 von Julia K. Hilgenberg

Gewinn

Ein Gutschein über 10,– Euro für den Shop der Autorenwelt.

Für die Möglichkeit auf den Gewinn hinterlasse einen Kommentar unter diesem Beitrag. Die Kommentarfunktion ist ca. 24 Stunden freigeschaltet. Alle Kommentierenden landen im Lostopf aus denen der jewilige Autor oder die jeweilige Autorin des Tages den oder die Gewinner:in zieht. Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärst du dich einverstanden, dass ich für die Gewinnabwicklung deine Mailadresse an den oder die jeweilige:n Autor:in weitergebe. Für die Teilnahme musst du wenigstens vierzehn Jahre alt sein und im Raum D/A/CH wohnen. Die ausführlichen Teilnahmebedingungen findest du hier.

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Cathy
16 Kommentare
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Allie
Allie
7 Monate zuvor

Das Buch klingt herrlich amüsant! Besonders die Schlusssätze „…so hatte es für viele Anwesende doch beinahe einen Hauch von Hollywood, als er zum Greifen nah an ihnen vorbei zog. Beziehungsweise gezogen wurde, denn in der Tat war Bingley die treibende Kraft des Gespanns.“ haben meiner Meinung nach eine tolle Wirkung – ich liebe unterschwelligen Humor, der sich wie bei dir durch den Text zieht!
Definitiv ein Buch, für das man den Gutschein verwenden könnte!
Vielen Dank für die Chance und einen schönen Montag!!

Justin
Justin
7 Monate zuvor

Sieht sehr interessant aus!

Lichti
Lichti
7 Monate zuvor

Das ist mal eine coole Idee und ein wirklich gelungener Auszug!

Sascha S.
Sascha S.
7 Monate zuvor

Vielen dank für diese Chance, würde mich sehr freuen 🙂

Anja Thürling
Anja Thürling
7 Monate zuvor

Haha, die moderne Version ist gar nicht so übel 🙂

Claudi
Claudi
7 Monate zuvor

Alsoooooo, ich bin ja ein riesiger Jane Austen Fan, und tatsächlich hat es mir Stolz und Vorurteil in all seinen Varianten besonders angetan. Weswegen ich diesen Ausschnitt hier gerade besonders genossen habe. Seufz. Lizzy und Darcy :). Das nur dazu. Aber über einen Gutschein würde ich mich natürlich genauso freuen, und versuche gerne mein Glück 🙂

Steffi
Steffi
7 Monate zuvor

Ich bin sehr neugiereig wie die ganze, moderne Version von „Stolz & Vorurteile“ aussieht. Der Gutschein würde mir da sehr gelegen kommen 🙂

Claudia
Claudia
7 Monate zuvor

Richtig guter Dialog…macht Lust auf mehr.

Lars
Lars
7 Monate zuvor

Schöner Text. Würde mich sehr über den Gutschein freuen.

LG

Tami
Tami
7 Monate zuvor

Das klingt ja sehr lustig. Stolz und Vorurteil ist schon super, aber jetzt mit einer Prise Humor und vor einer neuen Kulisse. Super!

Heike Pflüger
Heike Pflüger
7 Monate zuvor

Der Auszug hat mir sehr gut gefallen! Ich habe es direkt auf meine Bücherliste geschrieben. Vor allem der Stil und der Szenenfluss sind sehr, sehr schön.

Bianca
Bianca
7 Monate zuvor

Wie cool, Stolz und Vorurteil finde ich super, eine moderne Variante würde ich gern lesen. Da wäre der Gutschein gleich sehr gut eingesetzt 🙂

Tanjas Buchgarten
Tanjas Buchgarten
7 Monate zuvor

😉

Das klingt vielversprechend 🙂 Stolz und Vorurteil – in die heutige Zeit transportiert … ich bin gespannt

Liebe Grüße

Tanja

Hilly
Hilly
7 Monate zuvor

Ein modernes „Stolz und Vorteil“, das ist ja mal ne gute Idee.
Und einen Gutschein kann man immer gut gebrauchen. Danke für das Gewinnspiel. 😊

Sabrina
Sabrina
7 Monate zuvor

Das scheint wirklich gut gelungen zu sein.

Yvonne Kretzer
Yvonne Kretzer
7 Monate zuvor

Da versuche ich doch gernem ein Glück

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