Adventskalender

Türchen 22: Diandra Linnemann

Herzlich Willkommen zu Türchen 22 des Indie-Bücher Adventskalenders.
Jeden Tag bekommt ihr einen weihnachtlichen oder winterlichen Textauszug aus einem Indie-Buch. Darüber hinaus könnt ihr jeden Tag etwas gewinnen.

Helena Weide ist staatlich geprüfte Hexe aus Bonn. Zusammen mit Falk und Maria setzt sie sich gegen Zombies, Hexen und alte Götter zur Wehr. Die Textstelle ist aus dem passenden Teil der Reihe Magie hinter den sieben Bergen, nämlich dem Winter.

Magie hinter den sieben Bergen: Winter Eiskristalle glitzerten auf den parkenden Autos. Es hatte noch nicht geschneit dieses Jahr, aber die Beeren an Sträuchern und Bäumen waren reichlich und prall. Das bedeutet, uns stand ein harter Winter bevor. Die Wolken über unseren Köpfen schimmerten orange von den Lichtern der Stadt. Nicht einmal hier oben in Heiderhof war es völlig dunkel.
Raphael parkte seinen Wagen gegenüber von meiner Haustür und drehte den Zündschlüssel. Es wurde still. Schweigend saßen wir nebeneinander, während der Motor tickend abkühlte. Der Abend war schön gewesen. Wir hatten uns eine Komödie im Kino angeschaut und anschließend noch einen Drink in der brasilianischen Cocktailbar am Godesberger Bahnhof genommen. Ich liebte die Atmosphäre – die Musik, die farbenfrohen Bilder an den Wänden, die freundlichen Kellner. Und jetzt überlegte ich, ob ich Raphael hereinbitten sollte. Ein schmächtiger Dunstschleier stieg über der Motorhaube auf und hing unentschlossen in der Nachtluft. Der dunkelrote Lack reflektierte die Lichter, die bereits in den Fenstern meiner Nachbarn hingen. Aus dem Augenwinkel konnte ich mindestens zwei bunt geschmückte Tannenbäumchen in den Vorgärten blinken sehen. Alle Jahre wieder.
»Nun … danke für den schönen Abend«, sagte Raphael nach einer Weile leise. Ich hatte zu lange gewartet. Aufmerksam beobachtete ich seine Hände, die auf dem Lenkrad ruhten. Wir gingen erst seit drei Wochen aus, und bislang war ich vorsichtig darauf bedacht gewesen, mit ein kleines bisschen Privatsphäre zu bewahren. Heute ließ ich mich zum zweiten Mal von ihm nach Hause fahren, und im Haus war er noch gar nicht gewesen. Aber was sollte das überhaupt? Ich war schließlich kein kleines Kind mehr. Entschlossen drehte ich mich zu ihm um.
»Möchtest … möchtest du noch einen Kaffee trinken?« Meine Stimme klang hoch und atemlos wie die eines Teenagers. Meine Wangen begannen zu glühen. Wie ich das hasste.
Er lächelte leicht, und ich konnte das Grübchen auf seiner rechten Wange sehen. Mit seinen kurzgeschorenen dunkelblonden Haaren und den immer sorgfältig gebügelten Sachen sah er aus wie ein Hybrid aus Bankier und Soldat – eine Mischung, die mit sehr gefiel. Mein Herz schlug schneller.
»Gerne.« Er stieg aus und kam um den Wagen herum, um mir die Tür aufzuhalten. Eine altmodische Marotte, aber irgendwie charmant.
Als ich mich aufrichtete, standen wir so dicht voreinander, dass der Saum seines Wollmantels meine Beine berührte. Unsere Gesichter waren auf gleicher Höhe. Hinter meinem Brustbein kribbelte es. Vielleicht war es nur die Kälte – auf jeden Fall gab es keinen Grund, länger als unbedingt nötig hier draußen zu stehen.
Raphael beugte sich vor und strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die sich aus meinem Dutt gelöst hatte. »Ich mag deine Frisur.« Ich spürte seinen Atem warm auf meiner Wange. »Das ist jetzt vielleicht seltsam, aber … Ist Braun eigentlich deine natürliche Haarfarbe?«
Ich schob seine Hand beiseite. »Warum fragst du?«
»Nur so.« Er lächelte. »Ich mag die Farbe.«
Als ob ich den Nerv hätte, jeden Monat Zeit beim Friseur zu verplempern.
Wir überquerten die Straße. Ich vergrub die Hände in den Taschen meiner Lederjacke, um mir wenigstens ein bisschen Wärme zu bewahren. Je schneller wir im Haus waren, desto –
»Warte!« Raphael griff nach meinem Arm.
Ich zuckte zusammen. »Was ist?«
»Da vorne ist jemand!«
Mit zusammengekniffenen Augen spähte ich den Fußweg zu meiner Haustür entlang. Die Straßenlaterne war mal wieder kaputt – das dritte Mal in diesem Monat. Die Beete lagen unberührt und trist, in Erwartung der Schneemassen. Dazwischen glitzerte Frost auf den Betonplatten. Die Stufe vor der Haustür lag im Schatten, und in diesen Schatten schien sich tatsächlich etwas zu bewegen. Hatte mein Schutzkreis etwa versagt?
Die Gestalt streckte sich. Zu ihren Füßen lag ein Bündel. Ich dachte an die Unterlagen auf meinem Küchentisch, mit denen ich mich bis vor wenigen Stunden beschäftigt hatte, und mein Magen zog sich zusammen. Lieber auf Nummer sicher gehen. Vorsichtig befreite ich mich aus Raphaels Griff.
Der Schatten richtete sich zu voller Größe auf. Ich blieb stehen, die Hände lose neben dem Körper. Die Kälte biss in meine Fingerspitzen. Vor meinem geistigen Auge sammelte ich eine Kugel roter Energie in meinem Bauch und ließ sie in meine Hand gleiten.
Raphael trat vor mich und verdeckte meine Sicht. »Ist da jemand?«
»Nicht!« Wie heldenhaft von ihm. Wie dumm. Die Wesen, mit denen ich es zuletzt zu tun gehabt hatte, wären von seinem Mut nicht beeindruckt gewesen. Sie hatten mein altes Auto in Schutt und Asche gelegt, ohne mit der Wimper zu zucken. Was, wenn das hier –
»Helena?«
Kein Dämon. Aber auch kein Grund, aufzuatmen. Ich steckte die Hände schnell wieder in die Taschen, löste den Energieball auf und angelte nach meinem Schlüssel. Zurück blieb nur ein leichtes Kribbeln in meinen Fingerspitzen. Der hatte mir gerade noch gefehlt – Falk.
Raphael hielt inne, auf halbem Weg zwischen dem Schatten und mir. Ich schob mich an ihm vorbei, um die Haustür aufzuschließen. Von Falk ging keine akute Bedrohung aus – nahm ich zumindest an. Und was immer es war, das ihn herbrachte, wir konnten es genauso gut drinnen besprechen.
Als ich mich wieder umdrehte, standen die Männer dicht voreinander. Falk überragte Raphael um mehr als Haupteslänge. Seine dunklen Haare, die im Dämmerlicht schwarz wirkten, waren länger als bei unserem letzten Treffen. Er brauchte dringend einen Friseurtermin. Die Hände in den Taschen seiner Trainingsjacke vergraben, fragte er: »Wer bist du denn?«
Raphaels Blick wanderte von Falk zu mir und wieder zurück. »Kennst du den?«
»Das ist …« Ich suchte nach einer guten Antwort. Wie sollte ich erklären, woher wir uns kannten, ohne die Worte »Verbrechen«, »schwarze Magie« und »Zombie« in den Mund zu nehmen? »Wir haben zusammengearbeitet«, endete ich lahm.
»Ich hab für ein paar Tage bei ihr gewohnt«, fügte Falk hinzu. Seine Zähne glänzten in der Dunkelheit.
Mistkerl.
➥ Aus Magie hinter den sieben Bergen: Winter von Diandra Linnemann

Gewinn

Ein signiertes Taschenbuch von Magie hinter den sieben Bergen: Winter.

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Cathy
27 Kommentare
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Kami
Kami
11 Monate zuvor

ich versuche gerne mein glück 🙂

Allie
Allie
11 Monate zuvor

Vielen Dank für die Chance, ich versuche gern mein Glück mit diesem interessanten Buch 🙂

Justin
Justin
11 Monate zuvor

Spannendes Cover! gerne dabei!

Moira
11 Monate zuvor

Wie coool

Moira
11 Monate zuvor

gerne dabei 😀

Nella Beinen
Nella Beinen
11 Monate zuvor

Ich werde mal mein Glück versuchen.Hier möchte ich doch unbedingt wissen, wie es weitergeht und wie es anfängt.

Angela K.
Angela K.
11 Monate zuvor

Das Buch klingt gut,da möchte ich gerne mit in den topf !

Steffi
Steffi
11 Monate zuvor

Ein spannender Auszug, sehr schön geschrieben. Man kann sich die Szene gut vorstellen und ich bin sehr neugierig wie es weitergeht.

Astrid Arndt
11 Monate zuvor

Das Buch steht schon länger auf meiner Wunschliste, da versuche ich gerne mein Glück. Vielen Dank für die Chance. Ich wünsche euch schöne Feiertage.

Tami
Tami
11 Monate zuvor

Hört sich super an. Es interessiert mich, wie es weiter geht 🙂

Sascha S.
Sascha S.
11 Monate zuvor

Vielen dank für diese Chance, würde mich sehr freuen 🙂

Imke
Imke
11 Monate zuvor

Das reizt mich eh am meisten 🥰 ein frohes Weihnachtsfest!

Martina
Martina
11 Monate zuvor

Das Buch hört sich sehr spannend an.

Ines
Ines
11 Monate zuvor

Das klingt interessant! Da würde nur allzu gerne gleich weiterlesen!

Natascha bodyn
Natascha bodyn
11 Monate zuvor

Würde mich freuen dein Buch kennenzulernen. Danke für die Chance

Petra B.
Petra B.
11 Monate zuvor

Alle 4 Kerzen brennen schon
Und mit uns feiert Gottes Sohn
An jedem Tische sitzt er da
Und feiert mit uns seine Geburt ganz klar
Weihnachten ist ein Fest für alle hier
Deswegen freut euch heute alle mit mir
Autor: Anastasia Krause

Claudi
Claudi
11 Monate zuvor

Ich muss hier einfach mein Glück versuchen, nicht nur, weil ich auf Fantasy und Romantasy stehe, sondern auch, weil ich dieses Genre liebe, und es zur Jahreszeit passt, und vielversprechend klingt. Zombies Hexen und alte Götter ist ja ach eine super Mischung für ein Buch 🙂

Anja Thürling
Anja Thürling
11 Monate zuvor

„Als ob ich den Nerv hätte, jeden Monat Zeit beim Friseur zu verplempern.“ – sympathisch^^

Nika
Nika
11 Monate zuvor

Liest sich wirklich gut, nicht nur die Geschichte an sich sondern auch der Schreibstil. Was soll ich sagen, Hexen, Magie…. Alles voll mein Ding und nicht nur als Fantasy. 😁 Was ich auch gut finde ist das es sogar in einer Stadt spielt die ich kenne. Sowas ist dann immer das I-Tüpfelchen auf dem I. Ich versuche einfach mal mein Glück. 😊

Lars
Lars
11 Monate zuvor

Hört sich super an. Ich würde mich sehr über das Buch freuen.

LG

Nicole
Nicole
11 Monate zuvor

Das Buch klingt super. Da versuche ich es gerne mal😊

Alexandra
Alexandra
11 Monate zuvor

Das Buch klingt sehr interessant. Ich mache gerne mit 😊

Christof
Christof
11 Monate zuvor

brauche dringend neuen Lesestoff!

Carsten Fink
Carsten Fink
11 Monate zuvor

toll

Sabrina
Sabrina
11 Monate zuvor

Ich würde mich riesig über das Buch freuen.

Yvonne Kretzer
Yvonne Kretzer
11 Monate zuvor

Sehr faszinierendes Cover

Sally
Sally
11 Monate zuvor

Ich würde mich riesig über dieses Buch freuen.

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