Adventskalender

Türchen 23: Nella Beinen

Herzlich Willkommen zu Türchen 23 des Indie-Bücher Adventskalenders.
Jeden Tag bekommt ihr einen weihnachtlichen oder winterlichen Textauszug aus einem Indie-Buch. Darüber hinaus könnt ihr jeden Tag etwas gewinnen.

Der Textauszug von Nella Beinen entspringt der Authorschallenge: Eine Nominierung, ein Wort, eine Kurzgeschichte.

Ein neues Zuhause »Hallo ihr Eroberer.« Meine Mutter lachte, als sie nacheinander die Kinder drückte und sich erhob, als Laura und ihr Mann mit roten Wangen den Raum betraten.
Mein Bruder und ich wurden ebenso stürmisch umarmt wie unsere Eltern. Tim hatte sich zwischen meinem und dem leeren Stuhl neben mir verschanzt.
Die Kinder winkten ihm nur zu, ließen ihn aber sonst in Ruhe. Wahrscheinlich hatte Laura ihnen auf dem Weg hierher eingeschärft, dass sie ihn nicht bestürmen sollten. Sie setzten sich auf den Boden und spielten mit den wenigen Spielzeugen, die meine Mutter bereitgelegt hatte, während wir Erwachsenen zu plauschen begannen. Tim immer an meiner Seite, die anderen beiden beobachtend.
»Willst du nicht zu ihnen rübergehen und mitspielen?«, fragte ich ihn zwischendurch leise, aber er schüttelte den Kopf. Lieber beobachtete er das ganze Spektakel aus sicherem Abstand. Ich machte mir Sorgen, ob es nicht doch zu viel für ihn wurde und überlegte bereits, wieder zu fahren. Dadurch bekam ich nicht mit, worüber am Tisch gesprochen wurde.
Das Klatschen meiner Mutter, die sich erhoben hatte, holte mich aus meinen Grübeleien. Sie hatte das große grelle Oberlicht ausgemacht und nur noch die Ecklampen und Lichterketten am Weihnachtsbaum an. Wir wurden alle still und blickten zu ihr.
»Liebe Familie, bevor wir essen, wollen wir die Kinder nicht länger auf die Folter spannen und die Geschenke öffnen.« Sie schaute zu Luis, dem Sohn meiner Schwester, der in der ersten Klasse war. »Luis, willst du gucken, für wen welche Geschenke sind?«
Luis sprang mit einem Jubelschrei auf und nahm den nächstgelegenen Geschenkeberg in Augenschein. Langsam entzifferte er den Namen. Meine Mutter hatte in diesem Jahr extra groß und deutlich geschrieben.
»Das ist für Papa«, informierte er uns und trug das oberste Paket zu ihm.
Dann begab er sich zum nächsten Stapel. Dieses Mal brauchte er nicht lange.
»Die hier sind für Tim«, rief er. Ich schaute zu Tim, der mich überrascht anblickte.
»Für mich? So viele Geschenke?«
»Ja, wollen wir hingehen?« Er nickte und ich stand auf. Neben den Geschenken hockten wir uns hin, während Luis weiter Namen in den Raum rief und jeder nach und nach seine Geschenke holte. Meine Mutter knipste fleißig Fotos. Das Geraschel von Papier erfüllte den Raum. Die Kinder jubelten auf, wenn sie etwas ausgepackt hatten, dass sie sich sehnlichst gewünscht hatten.
Tim hatte mit dem größten Geschenk angefangen. Es waren weitere Holzschienen und Zubehör für seine Eisenbahn. Er strahlte mich an und arbeitete er sich durch seinen Berg. Er packte zwei Kinderbücher, ein Päckchen mit Lego und ein Brettspiel aus. Zuletzt lag nur noch das kleine Päckchen mit meinem Bilderalbum da.
Immer wieder schaute Tim sich um, wenn eines der anderen Kinder aufjubelte. Luis war als erster fertig mit Auspacken, obwohl er als letzter begonnen hatte. Er kam mit einem Arztkoffer in der Hand und Stethoskop um den Hals zu uns herüber.
»Dominik, ich muss dich abhören«, meinte er ernst, stellte den Arztkoffer ab und setzte das Stethoskop professionell an, um mir die Brust abzuhören.
»Ja, du lebst noch.« Tim hatte beim Auspacken innegehalten und uns beobachtet. »Jetzt bist du dran.« Luis wandte sich zu Tim, trat einen Schritt näher zu ihm, sodass er Tim abhören konnte. Dieser ließ es kommentarlos mit sich geschehen.
»Du bist total gesund.« Luis blickte Tim ernst an und sein Blick glitt über die Geschenke von Tim.
»Cool, du hast die Lego Polizeistation bekommen. Wollen wir die aufbauen?«, rief er begeistert und kniete sich im selben Moment hin, um sie genauer zu betrachten.
Tim schaute mich an und ich lächelte ihm zu.
»Luis, wartest du einen Moment? Tim hat noch ein Geschenk, das er auspacken möchte.«
Tim riss das restliche Papier ab und hielt das Fotoalbum in der Hand.
Andächtig öffnete er es und blätterte es langsam durch. Vorne drauf hatte ich ein Foto von ihm und mir vor dem Zirkuszelt gesteckt. Er setzte sich neben Luis auf den Boden.
»Guck mal«, sagte Tim zu Luis und zeigte auf das erste Foto, auf dem Artisten bei einer Pyramide zu sehen waren. Haarklein erklärte er Luis seinen Zirkusbesuch. Beim Anblick der beiden, wie sie sich die Fotos anschauten, fiel mir ein Stein vom Herzen. Tim brauchte einfach etwas länger, um mit anderen warm zu werden. Er war das genaue Gegenteil von Luis, der wie sein Vater unbekümmert auf Menschen zuging.
Ich erhob mich, nahm meine spärlichen Geschenke und begab mich zu den anderen Erwachsenen an den Tisch. Ohne dass ich sie öffnen musste, wusste ich schon, dass es Bücher waren. Meine Mutter hatte immer eine aktuelle Buchwunschliste von mir am Kühlschrank hängen.
Mein Schwager, Bruder und Vater stießen mit Bier an, Laura sammelte das Geschenkpapier zusammen und Mama holte das Geschirr aus dem Schrank an der Wand. Den Fotoapparat hatte sie meinem Bruder hingelegt, der ihn nicht beachtete. Und mitten in dem Chaos aus Geschenken und Papier saß meine Nichte und spielte zufrieden mit ihrer neuen Puppe. Irgendwer hatte zwischendurch Weihnachtsmusik angestellt, die leise im Hintergrund dudelte.
»Na, wird doch. Du hast dir mal wieder zu viel Sorgen gemacht«, bemerkte meine Mutter, als sie die Teller vor mir auf dem Tisch abstellte und zu Tim und Luis deutete. Sie legte einen Arm um meine Schultern, eine Hand auf dem Oberarm. Zusammen blickten wir zu den beiden, die mit dem Bilderalbum durch waren und das Legopaket öffneten.
➥ Aus Ein neues Zuhause von Nella Beinen

Gewinn

Ein Gutschein über 10,– Euro für den Shop der Autorenwelt.

Für die Möglichkeit auf den Gewinn hinterlasse einen Kommentar unter diesem Beitrag. Die Kommentarfunktion ist ca. 24 Stunden freigeschaltet. Alle Kommentierenden landen im Lostopf aus denen der jewilige Autor oder die jeweilige Autorin des Tages den oder die Gewinner:in zieht. Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärst du dich einverstanden, dass ich für die Gewinnabwicklung deine Mailadresse an den oder die jeweilige:n Autor:in weitergebe. Für die Teilnahme musst du wenigstens vierzehn Jahre alt sein und im Raum D/A/CH wohnen. Die ausführlichen Teilnahmebedingungen findest du hier.

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15 Kommentare
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Claudi
Claudi
1 Jahr zuvor

Oh, was für eine schöne Geschichte, die die Kinderfreude, und diese magicshe Zeit des Geschenkeauspackens beschreibt. Da fühlt man sich gleich zurückversetzt in seine Kindheit. Aber dem nicht genug. Heute springe ich für den Gutschein in den Lostopf, und versuche mein Glück.

Steffi
Steffi
1 Jahr zuvor

Eine wirklich schöne Geschichte. Sie hinterlässt ein warmes und angenehmes Gefühl 🙂 Über den Gutschein würde ich mich natürlich sehr freuen!

Justin
Justin
1 Jahr zuvor

Hört sic hwirklich gut an!

Allie
Allie
1 Jahr zuvor

Eine schöne Geschichte – da fühlt man sich gleich ein Stück weihnachtlicher und zufrieden. Große Klasse!
Da versuche ich doch gern mein Glück!!

Sascha S.
Sascha S.
1 Jahr zuvor

Vielen dank für diese Chance, würde mich sehr freuen 🙂

Lars
Lars
1 Jahr zuvor

Hat sich wirklich gut gelesen.

LG

Anja Thürling
Anja Thürling
1 Jahr zuvor

„Ohne dass ich sie öffnen musste, wusste ich schon, dass es Bücher waren.“ – so muss es sein 🙂

Bianca
Bianca
1 Jahr zuvor

Wieder ein sehr schönes Türchen, danke für die vielen tollen Geschichten!

Martina
Martina
1 Jahr zuvor

Schöne Geschichte.

Tanja Schmitz
Tanja Schmitz
1 Jahr zuvor

Vielen Dank für die schöne Kurzgeschichte 🙂

Liebe Grüße und schöne Feiertage

Hilly
Hilly
1 Jahr zuvor

Ach, da muss ich an unsere früheren Weihnachtsfeste in der Familie denken, wenn so alle zusammenkamen und ein Kind nach dem anderen auspacken durfte. Das war immer spannend…. Und das hat sich gezogen…..
Gerne springe ich in den Lostopf für einen schöne Gutschein 😊

Anita
Anita
1 Jahr zuvor

Sehr schöne Geschichte.

Sabrina
Sabrina
1 Jahr zuvor

Ich mag die Geschichte sehr gerne.

Yvonne Kretzer
Yvonne Kretzer
1 Jahr zuvor

Weihnachten ist nicht umsonst die magische Zeit

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