Adventskalender

Türchen 5: Tanja Hanika

Herzlich Willkommen zu Türchen 5 des Indie-Bücher Adventskalenders.
Jeden Tag bekommt ihr einen weihnachtlichen oder winterlichen Textauszug aus einem Indie-Buch. Darüber hinaus könnt ihr jeden Tag etwas gewinnen.

Auch heute wird es noch einmal schaurig. Horrorautorin Tanja Hanika lädt uns mit einem Auszug aus Das Grab im Schnee auf einen tödlichen Waldgasthof ein. Hoffentlich kommen wir da heil wieder raus. Wer es schafft, hat vielleicht Glück auf den Gewinn.

Das Grab im Schnee Elisa Gieseke schlug die Augen auf und wusste im ersten Moment nicht, wo sie sich befand. Aus Romanen kam ihr das durchaus bekannt vor, aber dass es ihr einmal selbst so ergehen würde, hätte sie nicht für möglich gehalten. Hinter den Fensterläden drang nur spärliches Licht in ihr Zimmer. Das Bett, in dem sie lag, war ihr fremd. Sie wusste nicht einmal, ob sie freiwillig hier war. Auch die sich in der Düsternis andeutenden Umrisse des Raumes erkannte sie nicht wieder. Ein kleiner Tisch mit einem Stuhl, ein Waschschrank, ein Kleiderschrank. Alles schlichte, bereits ältere Holzmöbel. Wie in einer Herberge.
Damit kehrte die Erinnerung so plötzlich zurück, wie es gestern zu schneien begonnen hatte: Aus dem grauen Himmel war erst eine einzelne Schneeflocke an Elisas Kutschenfenster vorbeigefallen, innerhalb weniger Augenblicke jedoch war die Außenwelt verschwunden, so dicht war der Schneesturm geworden. Der Kutscher hatte Elisa zum Waldgasthof gebracht, wo sie nächtigen sollte. Er hatte die Postkutsche samt Inhalt dort abgestellt, war aber selbst mit dem Pferd weitergeritten. Offensichtlich vertraute er auf die Abgeschiedenheit des Gasthofes oder aber darauf, dass die Schneedecke seine Kutsche verbarg.
»Kein Einheimischer würde da übernachten. Und so schnell lasse ich mich von ein bisschen Schnee nicht unterkriegen! Das wäre ja gelacht, Sapprement noch emol ni«, so etwas hatte der Kutscher in seinen Bart gemurmelt, als sich Elisa von ihm bei einsetzender Dunkelheit verabschiedet und gefragt hatte, ob er nicht sicherheitshalber ebenfalls im Gasthof unterkommen wollte.
Ein letztes Mal gähnte Elisa und streckte ihren Fuß unter den kratzigen Laken hinaus, um aufzustehen. Die Kälte, die scharfzahnig an ihrem Bein nagte, ließ sie sich jedoch unter die Decke zurückziehen. Es spräche bestimmt nichts dagegen, wenn sie erst in einigen Minuten nachsah, wie viel es über Nacht noch geschneit hatte und was es im Waldgasthof zu frühstücken gab. Ein wenig döste sie noch, bis ihr vor Hunger grummelnder Magen Elisa aus dem Bett in die Kälte scheuchte.
Sie versuchte die Fensterläden zu öffnen, damit Licht für ihre Morgentoilette in ihr Zimmer fallen konnte. Doch so fest sie auch gegen die Läden drückte, sie ließen sich nicht einen Spaltbreit öffnen. Verflixt!, schimpfte sie in Gedanken vor sich hin und musste sich mit dem wenigen Licht begnügen, das ihr zur Verfügung stand.
Sie schnürte nur locker ihr Mieder und schlüpfte in das vom letzten Tag leicht knittrige Kleid, dessen Kornblumenblau im dämmrigen Licht traurig stumpf wirkte. Mit längst verinnerlichten Handgriffen steckte sie sich die Haare mehr schlecht als recht zur einer simplen Frisur auf, da sie sich im Spiegel kaum erkennen konnte.
(…)
Wendelin Idemann schürte bereits ein knisterndes Kaminfeuer. Dem Speckgeruch nach zu urteilen, tischte seine Frau Maria ein herzhaftes Frühstück auf, nach dem sich Elisas Magen sehnte.
»Guten Morgen, Herr Idemann!«, grüßte Elisa ihren Gastgeber, außer dem noch niemand im Raum war.
»Guten Morgen, Fräulein. Gut geschlafen?«
Elisa nickte artig. »Vielen Dank. Sehr gut. Es gibt aber ein Problem mit den Fensterläden. Ich bekomme sie nicht geöffnet. Sie scheinen zu klemmen.«
Herr Idemann legte den Kopf schräg, schaute sie dabei abschätzend an. Schließlich brach er in Gelächter aus und schlug sich mit der flachen Hand auf das Knie. Hätte er nicht einen solch lustigen Anblick geboten, hätte sich Elisa gewiss vor den Kopf gestoßen gefühlt. So fiel sie in seinen Heiterkeitsausbruch ein, auch wenn sie gar nicht so genau wusste, weshalb. Herr Idemann schnappte schließlich nach Luft, hustete einen schleimigen Pfeifenraucherhusten und sagte: »Kind. Bei dem Schnee, wunderet dich des?«
»Entschuldigen Sie bitte, aber was genau meinen Sie?«, fragte Elisa, die sich an ihr unverständliches Gespräch mit dem einheimischen Kutscher erinnert fühlte. So freundlich diese Menschen hier im Schwarzwald auch alle waren, so wenig verstand sie sie.
»Na, eingeschneit sind wir. Auf den äußeren Fensterbrettern wird der Schnee sich zur Barriere für die Fensterläden türmen. Wir werden hier wohl die nächsten paar Tage nicht herauskommen. Machen Sie doch nicht so ein Gesicht, Fräulein!« Wendelin Idemann begann wieder breit zu grinsen. »Das passiert hier öfter. Zu essen und zu trinken haben wir genug da. Ich glaube, Maria und ich haben beinahe mehr eingeschneite Tage hier verbracht als uneingeschneite.« Erneut brach ihr Gastgeber in schallendes Gelächter aus.
Elisa hingegen fand keinen Grund, dieses Mal mitzulachen. »Aber ich muss dringend nach Freiburg! Kann man denn nicht irgendetwas tun?«
»Sie werden´s schon aushalten mit uns. Und Freiburg läuft ja auch nicht weg, Kind.«
Kläglich hakte sie nach: »Aber was machen Sie denn, wenn jemand krank wird?«
»Fräulein, Sie sterben uns schon nicht unter den Händen weg.« Herrn Idemanns gute Laune war ihm nicht auszutreiben, das stand für Elisa fest. Ihr Gastgeber drehte sich in Richtung Küche und rief: »Maria, ich glaub, das Fräulein braucht etwas in den Magen.«
➥ Aus Das Grab im Schnee: Tödlicher Waldgasthof von Tanja Hanika

Gewinn

Drei Personen können je einmal das E-Book Das Grab im Schnee: Tödlicher Waldgasthof gewinnen. (Nach Wahl als epub oder mobi)

Für die Möglichkeit auf den Gewinn hinterlasse einen Kommentar unter diesem Beitrag. Die Kommentarfunktion ist ca. 24 Stunden freigeschaltet. Alle Kommentierenden landen im Lostopf aus denen der jewilige Autor oder die jeweilige Autorin des Tages den oder die Gewinner:in zieht. Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärst du dich einverstanden, dass ich für die Gewinnabwicklung deine Mailadresse an den oder die jeweilige:n Autor:in weitergebe. Für die Teilnahme musst du wenigstens vierzehn Jahre alt sein und im Raum D/A/CH wohnen. Die ausführlichen Teilnahmebedingungen findest du hier.

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17 Kommentare
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Sibylle Kalupke
Sibylle Kalupke
10 Monate zuvor

Ich bin wieder herausgekommen und würde das Buch gerne gewinnen!

Petra B.
Petra B.
10 Monate zuvor

Vielen Dank für diesen informativen Adventskalender. iIch komme gerne jeden tag vorbei, lese ein wenig und habe dadurch auch eine Entscheidungshilfe für den nächsten Buchkauf.

Steffi
Steffi
10 Monate zuvor

Horror ist wirklich mein liebsten Genre. Und die Situation, eingeschneit und abgeschnitten von der Außenwelt, verspricht spannend zu werden. Ich bin wirklich neugiereig was da wohl alles passieren kann 🙂

Martina
Martina
10 Monate zuvor

Das Cover gefällt mir schon mal und der Inhalt des Buches klingt auch sehr interessant. Gute Lektüre für kalte Wintertage.

Janka
Janka
10 Monate zuvor

Tolles Buch

Jan K.
Jan K.
10 Monate zuvor

Klingt auf jeden Fall spannend

Sascha S.
Sascha S.
10 Monate zuvor

Vielen dank für diese Chance, würde mich sehr freuen 🙂

Barbara Baumann
Barbara Baumann
10 Monate zuvor

Das Buch passt gerade toll zur Jahreszeit. Bei uns liegt auch ein bisschen Schnee.

Silvia Schmid
Silvia Schmid
10 Monate zuvor

Das möchte ich unbedingt lesen

Alexandra
Alexandra
10 Monate zuvor

Ich liebe Horror und habe auch schon einige Geschichten von Tanja gelesen.
Daher würde ich mich sehr über das eBook freuen 😊

LeseWelle
10 Monate zuvor

Hallo!
Der Adventskalender ist echt toll! Bis jetzt war zwar noch nichts für mich dabei, aber ich lese fleißig jeden Tag mit.
Und heute ein eBook von Tanja Hanika, na da versuche ich mein Glück direkt. Ich mag ihre Bücher sehr und Horror ist immer gut. 🙂
Liebe Grüße
Diana

Ines Carstensen
Ines Carstensen
10 Monate zuvor

Das klingt aber wirklich super spannend!

Gabi R.
Gabi R.
10 Monate zuvor

das Cover klingt vielversprechend, würde mich sehr freuen

Nadja Beinhauer
Nadja Beinhauer
10 Monate zuvor

gerne dabei 🙂

Hilly
Hilly
10 Monate zuvor

Horror, wow, das wäre das richtige Weihnachtsgeschenk für meine Tochter. Aber ich springe nun vorsichtig den Lostopf, damit es im Falle eines Falles eine Überraschung bleibt. 😊

Josy
Josy
10 Monate zuvor

Ein spannendes Buch, würde ich gerne lesen.

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