Adventskalender

Türchen 9: Sophie Grossalber

Herzlich Willkommen zu Türchen 9 des Indie-Bücher Adventskalenders.
Jeden Tag bekommt ihr einen weihnachtlichen oder winterlichen Textauszug aus einem Indie-Buch. Darüber hinaus könnt ihr jeden Tag etwas gewinnen.

Sophie Grossalber hat für den heutigen Beitrag einen Auszug aus ihrer Geschichte Blutspuren im Schnee gewählt. Eine der Geschichten aus Blood and Guilt – Geschichten aus Dumornay.

Blood and Guilt Sie zog einen der Verschlussriemen ihres Rucksacks so fest an, dass die Schnalle protestiere und beinahe auseinanderbrach. Verärgert über ihre eigene Ungezügeltheit und Zhaos unfaires Verhalten ihr gegenüber schnaubte Lei und sprang von ihrem Sitzplatz auf dem Strohbett auf. Nur weil sie ihre Abstammung nicht auf eine der reinen Blutlinien zurückführen konnte, hieß das nicht, dass sie eine schlechtere Jägerin war. Sie hatte sich ihren Platz als Jahrgangsbeste bei ihrem Abschluss hart erkämpft, zählte zu den fähigsten Jägern der Provinz und trotzdem behandelten ihre Vorgesetzten sie wie ein Kind, gaben ihr nur die Aufträge, von denen sie vermutlich dachten, dass Lei sie erledigen konnte, die aber unter der Würde eines anderen Jägers waren. Sie war keine 16 mehr, machte diesen Job seit bald 13 Jahren. Wie viel mehr Köpfe muss ich nach Hause bringen, bis sie mich endlich als ebenbürtig betrachten?
»Rumsitzen und sich beschweren, dass man es seinen Vorgesetzten nie recht machen kann, wird mir auch nicht dabei helfen, diesen verdammten Auftrag endlich zu erledigen. Augen zu und durch, wie man so schön sagt«, versuchte Lei, sich selbst Mut zuzusprechen. Sie bückte sich, nahm das Schwert, die Glock und den Rucksack. Den Rucksack schwang sie sich auf den Rücken, das Schwert hängte sie an den Gürtel über ihrem Mantel, die Schusswaffe direkt dahinter. So kam sie schneller ran, sollte sie die Waffen wirklich brauchen.
Bevor sie die Hütte verließ, zwang sie sich noch dazu, das Bett wieder so herzurichten, wie sie es vorgefunden hatte. Selbst wenn die Besitzer vermutlich nicht mehr zurückkehren würden, die Geister waren ihr vermutlich gnädiger, wenn sie hinter sich aufräumte. Lei drehte sich ein letztes Mal auf der Türschwelle um, versicherte sich, dass alles an seinem Platz war und trat dann in den neuen Tag hinaus.
Der Schneesturm vom Vortag hatte sich gelegt, der Himmel hatte sogar aufgeklart und die Sonne ließ den Schnee um Lei herum glitzern. Das Dorf war … friedlich. Beinahe idyllisch. Aber für Lei war es zu still. Hier fehlte das Leben, die Wärme. Der frische Schnee knirschte unter Leis Stiefeln, als sie von ihrem Unterschlupf aus auf die nächsten Hütten zuging. Ihre rechte Hand ruhte an ihrer Seite, in Nähe des Schwertgriffs. Auch wenn sie mit ihrer linken Hand ziehen musste. Die Tatsache, dass ihre Waffe überhaupt da war, vermittelte ihr Sicherheit.
Ein Blick durch die Tür der nächsten Hütte verriet ihr, dass diese ebenfalls verlassen war. Das Spiel wiederholte sich bei den nächsten. Nach der zehnten blieb Lei stehen, lehnte sich mit dem Rücken gegen den Türrahmen und atmete einmal tief durch. Sie konnte sich keinen Reim auf den Verbleib der Bewohner machen. Die Hütten waren aufgeräumt, zeigten keine Hinweise auf überstürztes Verlassen und doch fand Lei keine Spur von Leben. Ob die Vampire hinter sich aufräumten, nachdem sie das ganze Dorf abgeschlachtet hatten? Als ob das jemals passieren würde. Lei schüttelte den Kopf, stieß sich vom Türrahmen ab und setzte ihre Suche fort.
Die Sonne stand schräg hinter ihr, als Lei kurz davor war, den Versammlungsplatz des kleinen Dorfes zu erreichen. Den Tempel über dem Dorf hatte sie stets im Blick und sie wurde das Gefühl nicht los, dass das Gebäude mit den weißen Wänden und den gold-roten Dächern sie ebenfalls beobachtete. Wie ein wildes Tier, das noch nicht so recht wusste, ob es einer Gefahr gegenüberstand oder nicht. Als sie so auf den Tempel starrte, glaubte Lei, aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrzunehmen. Aber als sie den Kopf drehte, war der Schatten bereits verschwunden.
Dieses Dorf macht mich noch wahnsinnig …
Lei machte einen Schritt, wollte weiter gehen, als sie unter sich etwas knacken hörte.
Sie runzelte die Stirn, hob den Stiefel und schrak zurück, als sie sah, auf was sie da getreten war. Eine gefrorene Hand streckte die gekrümmten Finger nach ihr aus. Einer der Finger stand in einem ungünstigen Winkel ab, dort wo sie drauf getreten war und den Finger mit ihrem Gewicht gebrochen hatte.
Lei beeilte sich, weiter zu kommen, und machte einen Satz über die eingeschneite Hand, die vermutlich zu einem ganzen Körper gehörte. Aber schon nach wenigen Schritten blieb sie an etwas hängen und stolperte. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass sie über ein Bein gestolpert war.
➥ Aus Blood and Guilt – Geschichten aus Dumornay (Ausschnitt aus Geschichte 3, Blutspuren im Schnee) von Sophie Grossalber

Gewinn

Ein E-Book (mobi oder epub) von Blood and Guilt – Geschichten aus Dumornay.

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12 Kommentare
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Swantje
Swantje
10 Monate zuvor

Das klingt sehr interessant! Ich bin immer auf der Suche nach guten Urban Fantasy Büchern mit Vampiren❤

Steffi
Steffi
10 Monate zuvor

Das klingt sehr interessant und Vampire sind immer gut 😀
Ich hab richtig Lust bekommen die ganze Geschichte zu lesen.

Petra B.
Petra B.
10 Monate zuvor

Ich lese Bücher fast aller Genres, wichtig ist mir bei jedem Buch die Geschichte, die muss mich ‚ansprechen‘. Bücher, bei denen man ein ‚So-lese-ich-dieses-Buch-Studium‘ benötigt, wandern immer ins Regal zurück.

Claudi
Claudi
10 Monate zuvor

Ich liebe Fantasy, und alles aus diesem Bereich. Aber Vampire tun es mir meistens richtig an, weiß auch nicht warum, aber ich liebe ihre Geschichten, weil sie immer so geheimnisvoll sind. Diese Geschichte ist noch dazu sehr schön geschrieben, ebenfalls geheimnisvoll, aber auch zum Schmunzeln, denn ich musste gerade eben tatsächlich ein wneig lächeln. Und deswegen würde ich hier gerne mein Glück probieren.

Sascha S.
Sascha S.
10 Monate zuvor

Vielen dank für diese Chance, würde mich sehr freuen 🙂

Jan K.
Jan K.
10 Monate zuvor

Würde ich lesen

Ines Carstensen
Ines Carstensen
10 Monate zuvor

Das klingt aber spannend! Würde mich interessieren, wie die Geschichte weitergeht…

Elke
Elke
10 Monate zuvor

Ich lese sehr gerne und das Buch ist sicher sehr interessant

Sabrina
Sabrina
10 Monate zuvor

Ich liebe das Cover.

Yvonne Kretzer
Yvonne Kretzer
10 Monate zuvor

Hört sich sehr interessant an

Tami
Tami
10 Monate zuvor

Das klingt ja mal interessant! Man fiebert jetzt schon mit 🙂

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[…] mit der Nummer 9 gibt es in diesem Adventskalender von indie-buecher.com eine Geschichte von Sophie Grossalber. Am 22. Dezember ist dann Diandra Linnemann […]

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